3. Pressemitteilung der AG-Presse: Rektorat zeigt sich gesprächsbereit (11.12.2009)

Pressemitteilung zum Gespräch mit Berlins Wissenschaftssenators Jürgen Zöllner (05.12.2009)

2. Pressemitteilung der AG-Presse zur Besetzung des Audimax (25.11.2009)

1. Pressemitteilung der AG-Presse zur Besetzung des Audimax (15.11.2009)

Artikel über die Besetzung der ASH auf turus.net

Artikel über die Bildungsproteste in Deutschland und die Audimaxbesetzung an der ASH

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Artikel über die Bildungsproteste in Deutschland und die Audimaxbesetzung an der ASH

Quelle: zeit online

Bundesweiter Bildungsprotest
Gegen Leistungsdruck und Studiengebühren

Sie wehren sich gegen Fremdbestimmung und Anwesenheitspflicht: Deutschlandweit haben Studierende für Bildungsreformen demonstriert. Offen ist, wie weit die Kraft reicht.

Encarnizado meint, es ganz genau zu wissen: „Bundesweit BIS JETZT ca 82.650 Menschen auf der Straße! Allein in Berlin 25.000.“, sendet er via Twitter. Baschti030 will „rund 12.000 Demonstrierende vor dem Roten Rathaus in Berlin“ gesehen haben. Die eher konservativ zählende Polizei ging hier von nur 6000 Protestierern aus, die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte. In Wiesbaden ist von 8000 demonstrierenden Studenten die Rede, in München, Frankfurt und Düsseldorf von je 5000. Auch in Köln, Heidelberg und Freiburg gingen Studierende auf die Straße.

Im Kampf gegen Leistungsdruck, überfrachtete Studienpläne, Studiengebühren und vor allem die Neuordnung an den Unis durch die Bachelor- und Masters-Studiengänge sind die Zahlen im Moment das vermeintlich stärkste Argument der Studenten: Sind sie viele, wird ihr Protest eher ernst genommen. Durch ihren Bildungsstreik vom Sommer nahmen sie den Wissenschaftsministern zumindest das Versprechen ab, das Bachelor- und Masterstudium zu überarbeiten und vor allem die derzeitige Regelstudienzeit für den Bachelor von sechs Monaten zu verlängern. Selbst Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) räumte damals „handwerkliche Fehler“ bei der Einführung der neuen Studiengänge ein – das fällt ihr leicht, denn die Hochschulen unterstehen den Bundesländern. „Geändert hat sich seitdem wenig“, resümiert allerdings vor dem Berliner Roten Rathaus eine Sozialarbeitsstudentin der Freien Universität.

Deutschlands Studierende nehmen deshalb nun einen zweiten Anlauf, mit vielfältigen Protestaktionen Verbesserungen ihrer Lernbedingungen zu erreichen. In Berlin gingen sie vor allem mit Ironie zu Werke: „Fingerabdruck – für noch infantilere Anwesenheitskontrollen“ fordern die einen auf einem Transparent, „Leere Köpfe nicken leichter“ konstatieren sarkastisch andere. In einem vielfarbigen Zug drängen sich die Protestierer durch die Innenstadt Richtung Brandenburger Tor. Studierende Eltern haben ihre Kleinkinder dabei – auf dem Rücken oder im Fahrradanhänger.

„Bildung für alle, und zwar sofort“ ist der Schlachtruf, den die etwa 1000 Demonstranten in Düsseldorf bei ihrem Marsch durch die Innenstadt skandieren. Sie recken Plakate „Wir sehen schwarz“ oder „Wieso, weshalb, warum – wer nicht zahlt, bleibt dumm“ in die Höhe. Auf dem Würzburger Marktplatz inszenieren Studenten eine Beerdigung: „Wir trauern um die freie Bildung“, steht auf dem Sarg, den sie symbolisch durch die Stadt schleppen.

Auch in anderen europäischen Ländern gingen Studenten auf die Straßen. Tausende protestierten in Italien gegen eine umstrittene Reform, die 130.000 Stellen an Hochschulen kosten soll. Die Ausdrucksformen sind vielfältig, aber letztlich geht es den jungen Leuten um das Gleiche: ihre Zukunftschancen.

„Mein Studium gehört mir“ steht auf der tiefblauen Stoffbahn, die Studierende der Berliner Alice-Salomon-Hochschule für Sozialarbeit vor sich hertragen. Sie demonstrieren für „Mitbestimmung statt Verschulung“ des Studiums und gegen den Numerus clausus. Eine der angehenden Sozialarbeiterinnen überwand diese Hürde trotz guter Leistungen und Auslandsjahr in einem italienischen Behindertenheim nur, indem sie sich einklagte. „Ich will Sozialarbeit studieren. Doch meine Leistungen werden nach meiner Mathenote beurteilt“, entrüstet sich die Erstsemestlerin. Als Fachabiturientin habe sie in ihrem Studienfach bundesweit kaum eine Chance gehabt. „Denn verlangt wird ein NC wie für ein Medizinstudium.“
Berliner Studenten im Bildungsstreik

Leistungsdruck und Anwesenheitspflicht – der Alltag von Studierenden wird immer stressiger. Ein Besuch an der Humboldt-Universität

Seitdem die Studenten den zentralen Hörsaal ihrer Hochschule besetzt haben, hat die junge Frau fast jede Nacht im Audimax geschlafen und den Protest mitorganisiert. Offen ist jedoch, wie lange die Kraft auch über den heutigen Aktionstag hinaus reicht. Denn nur ein Bruchteil der Studierenden unterbricht den Unialltag für die Protestversammlungen, Plakate malen und Demonstrationen. „Viele sitzen nur zu Hause und solidarisieren sich nicht“, klagt die 22-Jährige. „Politisches Engagement schreckt viele ab.“ Auch die Angst vor gewaltsamer Räumung macht sich breit oder vor Bußgeldern, wie sie die Polizei vor Monaten gegen Demonstranten in Düsseldorf verhängte. Kommilitone Roman Korrmann ist zuversichtlicher: „Nächste Woche geht es auf jeden Fall weiter“, habe das tägliche Plenum der Fachhochschule beschlossen. Für die nächsten Tage plane man neue, kleinere Aktionen, um die „Themen in die Öffentlichkeit zu tragen“, sagt der 28-Jährige. Gedacht sei an „aktive Seminare“ wie etwa Vorlesungen in der S-Bahn.

Reaktionen blieben am Dienstag rar: Der Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, der mecklenburg-vorpommersche Bildungsminister Henry Tesch (CDU), schob den Hochschulen die Verantwortung zu. Die müssten die bereits beschlossene Reform der Studienreform umsetzen. Doch am 10. Dezember sollen die Kultusminister „nachsitzen“: Mehrere Studentengruppen wollen deren Tagung in Bonn so lange blockieren, bis sie die Hochschul-Leitungen von Änderungen in den Bachelor-Studiengängen überzeugt haben.

Pressemittelung der AG ASH-Vernetzung vom 15.11.2009

Alice-Salomon-Hochschule: Audimax besetzt

Studierendenschaft der ASH beteiligt sich am Streik – Audimax besetzt!
Am Donnerstag, dem 12.11.2009, beschlossen die Studierenden der Alice-Salomon-Hochschule
(ASH) in Berlin-Hellersdorf im Rahmen einer Vollversammlung die Teilnahme am Bildungsstreik
im WiSe 09/101.
Im Anschluss an die VV diskutierten die Studierenden wie die Teilnahme am Streik aussehen soll.
So wurde das Audimax in direkter Konsequenz der mangelnden Umsetzung oder gar Einsicht in die
Forderungen aus dem Streik vom Sommer 2009 und nicht zuletzt aus Solidarität mit der europaweit
streikenden und protestierenden Studierendenschaft besetzt!
Die eigenständige, dauerhafte Nutzung und Selbstverwaltung des nun bereits im vierten Tag
besetzten Audimaxes ist Ausdruck des Protestes gegen die sich stetig verschlechternden Lern-,
Studien- und Arbeitsbedingungen in öffentlichen Bildungseinrichtungen. An den (unerfüllten)
Forderungen und der Kritik der BesetzerInnen – auch an der Hochschulleitung2 – hat sich seit dem
letzten Bildungsstreik im Sommer 2009 nicht viel geändert:
Wir fordern:
* selbstbestimmtes Lernen und Leben statt starrem Zeitrahmen, Leistungs- und Konkurrenzdruck
* freier Bildungszugang und Abschaffung von sämtlichen Bildungsgebühren
* öffentliche Finanzierung des Bildungssystems ohne Einflussnahme der Wirtschaft3 unter anderem
auf Lehrinhalte, Studienstrukturen und Stellenvergabe durch Drittmittelvergabe
* Demokratisierung und Stärkung der Mit- und Selbstverwaltung in allen Bildungseinrichtungen
* Beendigung der prekären Beschäftigungsverhältnisse an den Bildungseinrichtungen4
Weiterhin wurde mit der Bildung von AGs begonnen, um eine handlungsfähige Struktur für die
nächste Besetzungszeit zu etablieren. Auch Nicht-Studierende sind herzlich eingeladen
vorbeizukommen, um sich zu informieren, zu diskutieren und mitzuwirken.
Am Donnerstag-Abend nahm ein Großteil der besetzenden StudentInnen an der öffentlichen
Ringvorlesung „Einführung in die Kritische Theorie der Gesellschaft“ mit Prof. Dr. Alex Demirovic
teil. Hiermit sollte deutlich gemacht werden, dass nicht blind alle Veranstaltungen blockiert werden,
sondern Vorlesungen mit kritischem Bildungsanliegen auch in unserem Interesse sind. So werden
für die nächsten Tage Filmabende, Vorträge und Partys organisiert.
Daneben wird die Vernetzung mit weiteren Statusgruppen an der Hochschule und darüber hinaus
verstärkt werden. In der kommenden Woche sollen die konkreten Forderungen vorgetragen undmit
der Hochschulleitung besprochen werden.

Marta Esten für die AG Vernetzung an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin
Berlin, 15.11.2009

aktuelle Infos unter:
24h-Streiktelefon: 0163 6612035
http://bildungsstreikash.blogsport.de
http://twitter.com/ash_brennt
tägliches Plenum: 12 Uhr & 18 Uhr im Audimax

1 146 von 152 Anwesenden stimmten für die Teilnahme am Bildungsstreik.
2 Vgl.: http://bildungsstreikash.blogsport.de/warum-streik/#aufrufash
3 z.B. durch CHE oder HIS-Rankings, Vgl.: http://asta.asfh-berlin.de/index.php?id=261
4 siehe z.B. GebäudereinigerInnen-Streik und Mensaangestellte

Artikel über die Besetzung der ASH auf turus.net

Quelle: turus.net

Bildungsstreik: Demonstrationen, Proteste und besetzte Hörsäle

Mittwoch, 18. November 2009 um 16:54
Zehntausende Schüler und Studenten gingen bereits bundesweit mit ihren Forderungen auf die Straße, weitere Proteste werden folgen. Überall in Deutschland demonstrierten die Schüler und Studenten gegen Bildungsmissstände, für die soziale Öffnung der Hochschulen, die Demokratisierung des Bildungssystems und die Abschaffung von Bachelor und Master in der derzeitigen Form.

altBerlin. Mittwoch mittag. Ortstermin an der Alice Salomon Hochschule Berlin.
Auch hier am Hochschulgebäude am U-Bahnhof Hellersdorf hängen Transparente an der Außenfassade.
„Diese FH wird bestreikt! Für eine emanzipatorische und freie Bildung!“, „ASH besetzt“, „So wie es ist, bleibt es nicht“.
Zettel haften an den Fenstern. „Mitbestimmt statt fremdbestimmt“, „Mehr Mitbestimmung“.

altBetritt man das Gebäude, so stellt man fest, dass im Innern kräftig gebaut wird. „Herzlich willkommen zum Semesterstart! Wir bauen für Sie/Euch!“ steht weiß auf rot auf einer provisorischen Wand geschrieben. Darunter hängt ein selbst gemaltes Transparent: „Bundesweiter Bildungsstreik! Wir sind dabei!“
Darunter liegen auf einem großen Tisch zahlreiche Flyer und Broschüren. In der Neuen Mensa finden jeden Tag Versammlungen und Diskussionen statt. Wie in zahlreichen anderen Hochschulen wurde auch in der ASH das Audimax besetzt. Am 12. November wurde in der Vollversammlung mit großer Mehrheit beschlossen, sich am bundesweiten Bildungsstreik zu beteiligen. Die Besetzung des Audimax war die erste Aktion. Hiermit wollten die Studenten einen „Raum schaffen, um sich in gemütlicher Atmosphäre selbstbestimmt über die Kritik am Bildungssystem auszutauschen“.

altLange Zeit sah es danach, als ob die neue Generation protestmüde wurde. Die aktuellen Geschehnisse beweisen jedoch, dass auch in der Gegenwart durchaus die Massen mobilisiert werden können.
Die Kritik an den Lehr- und Lernbedingungen wuchs stetig. Die Liste der bundesweiten Forderungen ist lang. So sollen sich die Hochschulen „sozial öffnen“. Studiengebühren sowie Zulassungsbeschränkungen sollen abgeschafft werden. Zahlreiche Studenten fordern den Abbau von wirtschaftlichen Zwängen im Bildungsbereich und die Einführung verfasster Studierendenschaften mit politischem Mandat in allen Bundesländern.

altNeben den bundesweiten Forderungen gibt es an den jeweiligen Hochschulen ganz spezielle Probleme, die den Studenten auf dem Magen liegen. An der ASH fordert die Studentenschaft eine Verbesserung des Mensaessens und Sport- und Bewegungsmöglichkeiten. Das „International Office“ soll verbessert werden, die komplette Hochschule soll barrierefrei werden und die Pförtner und Reinigungskräfte sollen einen angemessenen Lohn bekommen.
Wohl wichtigster Punkt: Die Gebühren für den Master sollen abgeschafft werden und jeder sollte nach Abschluss des Bachelor einen Master machen können.

2. Pressemitteilung der AG-Vernetzung zur Besetzung des Audimax (25.11.2009)

als pdf zum download

Alice-Salomon-Hochschule

Audimax bleibt besetzt – externe Vernetzung schreitet voran!

Seit nunmehr 14 Tagen wird das Audimax der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin Hellersdorf im Rahmen
der bundesweiten Aktionswochen „Bildungsstreik 09“ von Studierenden besetzt gehalten.
In dieser Zeit konstituierten sich interne Handlungsstrukturen und Diskussionsforen in Form von Plena,
Arbeitsgruppen und Informationsveranstaltungen. In diesem Zusammenhang wurde ein vielseitiges
Programm aus alternativen Seminaren, Arbeitskreisen und Kulturangeboten zusammengestellt.
Neben der internen Mobilisierung wird verstärkt eine Vernetzung der einzelnen Hochschulen und
Universitäten fokussiert.
Am Montag, dem 23.11.2009 fand ein erstes Vernetzungstreffen der kleineren Berliner Hochschulen statt.
Anwesend waren Vertreter_innen der Beuth-Hochschule für Technik (BHT), der Katholischen-Hochschule
für Sozialwesen Berlin (KHSB) und der Alice-Salomon-Hochschule (ASH).
Zielsetzungen dabei waren:

1. Die Schaffung von Vernetzungsstrukturen zum Abgleich ähnlicher Interessen und Forderungen der
Hochschulen im aktuellen Bildungsstreik und die Zusammenführung dieser.

2. Die Planung einer verstärkten Zusammenarbeit in Form von gemeinsamen Veranstaltungen und
Aktionen.
3. Die Schaffung von nachhaltigen Strukturen zur besseren Kommunikation und Zusammenarbeit
zwischen den Studierenden der einzelnen Hochschulen.

Weitere Treffen sind in der nächsten Woche geplant, auch unter Einbeziehung der teil-besetzten
Universitäten HU und FU sowie der Interessenten von TU1 und Schülervertretungen.
Die Hochschulleitung der ASH äußerte sich bis zum jetzigen Zeitpunkt lediglich über Umwege zur aktuellen
Situation. Vor allem kennzeichnet sie sich gegenüber der Besetzung mit Ignoranz, welche als Toleranz nach
außen getragen wird2. Ein Treffen mit der Rektorin Frau Labonté-Roset ist für die Mitte der nächste Woche
anberaumt.
Der Position der Streikenden der Humboldt-Universität ist nichts hinzuzufügen: „Wir wehren uns gegen die
heuchlerische Vereinnahmung der Proteste durch tatenlose „Verständnis“-Bekundungen und ihre
gleichzeitige Unterdrückung durch gewaltsame Räumungen, wie in Münster, Tübingen und Bielefeld.“3
Vom 30. November bis 6. Dezember wird eine bundesweite Aktionswoche stattfinden, an welcher sich auch
die Studierenden der ASH mit verschiedenen Aktionsformen beteiligen werden. Neben der Vernetzungs-
Fokussierung soll mit gemeinsamen Aktionen unseren Forderungen Nachdruck verliehen werden.

Aktuelle Informationen finden sich unter bildungsstreikash.blogsport.de.

Marta Esten für die AG Vernetzung an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin

1 (Teil-)Besetzung seit dem 23.11.2009 abgebrochen
2 So schmückte sich die Rektorin Labontè-Rose bereits während des Bildungsstreiks im Sommer 09 mit dem bunten
und kreativen Protest „ihrer“ StudentInnen, solange diese „konstruktiv“ – meint konformistisch – bleiben.
3 Pressemitteilung vom 23.11.2009 (auch auf unserehu.de)

Pressemitteilung zum Gespräch mit Berlins Wissenschaftssenators Jürgen Zöllner (05.12.)

Berlin ++ Pressemitteilung 05.12.09 ++
Meinungsaustausch zwischen Studierenden und Berliner Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner. Vorschläge für weitere Treffen.

Der Druck der vergangenen Wochen hat den Berliner Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner zu einem Meinungsaustausch“ über die Studienreform bewegt. Mit einer kurzfristigen Einladung wollte er auf die anhaltenden studentischen Proteste reagieren und Dialogbereitschaft signalisieren. Obwohl Zöllner nur ein studentisches Mitglied jeder Studienkommission der staatlichen Berliner Hochschulen erbeten hatte, haben wir uns darauf verständigt, dass sich jede_r Interessierte daran beteiligen können soll.“ erklärt Studentin Stefanie Fried. Am 02.12.09 fand so ein erstes zweistündiges Gespräch zwischen Zöllner und etwa 30 Studierenden der Berliner Hochschulen in seiner Senatsverwaltung statt.

Die Studierenden forderten eine Demokratisierung der Hochschulen, wie beispielsweise bei den gerade im Abgeordnetenhaus unter Eilbeschluss verabschiedeten Berliner Hochschulverträgen: Trotz mehrmaligen Aufforderungen innerhalb eines Jahres wurden die Studierenden an deren Erarbeitung zu keinem Zeitpunkt beteiligt. Sie konfrontierten Zöllner mit der Frage der Privatisierung von Bildung und wiesen darauf hin, dass die anstehenden komplexen Problemlagen keinesfalls in einem einzigen Gespräch zur Genüge thematisiert werden könnten. Zöllner äußerte mehrfach sein Verständnis, verwies die Verantwortung jedoch an Bund und Hochschulen. Er sehe ein Problem der Hochschulen in der Umsetzung der Reformen und der Vereinbarung von Lehre und Forschung, weniger im Stellenwert bspw. des „Exzellenz“-Wettbewerbs.

An einem für Januar geplanten Gespräch mit Berliner Hochschulrektoren und Präsidien sagte er eine Beteiligung von sechs Studierenden zu. Auf die Forderung der Einsetzung einer Landeshochschulkommission mit Studierenden als stimmberechtigte Beteiligte reagierte er mit folgender Aussage: „Das können wir schon machen“. Er sagte zwei Folgetermine für Gespräche mit Studierenden zu: Am 16.12.09 von 14 bis 15:30 Uhr für eine öffentliche Veranstaltung im Audimax der HU. Und am 17.12.09 um 19:30 Uhr für ein Treffen im Senatsgebäude zur Auseinandersetzung mit den studentischen Forderungen. „Die Studierenden sehen dieses Treffen jedoch nur als Auftakt zu einer Reihe von Gesprächen.“, so Stefanie Fried von der KHSB.

„Wir finden das Gespräch sehr unbefriedigend. Der laut Einladung Jürgen Zöllners ‚offene Meinungsaustausch‘ erscheint vor dem Hintergrund der bereits beschlossenen Hochschulverträge wenig ergebnisoffen. Bereits im Vorfeld waren kaum zur Problemlösung geeignete Ergebnisse zu erwarten gewesen. Wir sind jedoch weiterhin gesprächsbereit.“, so Mathias Bartelt von der FU Berlin.

Die Studierenden sprachen sich auch dafür aus, dass die Schüler_innen in Gespräche mit einbezogen würden. „Das Ziel ist es, dass unsere Forderungen umgesetzt werden und längere, nicht nur oberflächliche Gespräche dazu statt finden. Zwei Stunden sind hierfür absolut unzureichend“, betont Stefanie Fried. „Es muss ein Prozess und Diskurs begonnen werden, in dem wir auf Augenhöhe kontinuierlich mitwirken können und Alle gemeinsam am Tisch sitzen. Wir werden uns nicht manipulieren lassen, fügt Mathias Bartelt hinzu.

Kontakt:

Berlinweites Presseteam: 0174 364 8693
Stefanie Fried: 0176 2329 1316
Mathias Bartelt: 0163 698 7960

3. Pressemitteilung der AG-Presse: Rektorat zeigt sich gesprächsbereit (11.12.2009)

Rektorat zeigt sich gesprächsbereit – Termin mit Pro-Rektor am Montag

Am kommenden Montag, dem 14.12.2009, wird ein Treffen zwischen Protestierenden und dem Pro-Rektor der Alice-Salomon-Hochschule (ASH), Herr Cornel, stattfinden. Bei diesem Treffen sollen die Möglichkeiten der Umsetzung der Forderungen der Studierenden besprochen werden. „Wir begrüßen die generelle Gesprächsbereitschaft der Hochschulleitung und hoffen, dass dem auch Taten folgen.“, so Christian Svendson, Zweitsemester-Student an der ASH.
Die Fortführung von Austausch und Arbeit an der Umsetzung wird auch vom im Januar 2010 neu zu wählenden Rektorat erwartet.

Eva Wolle, Studierende an der ASH: „Wir erwarten erste konkrete Zugeständnisse aus dem Gespräch“, welches im neuen selbstgewählten Aufenthaltsraum 115 stattfinden wird, nachdem die Audimax-BesetzerInnen am Mittwoch (9.12.09) vorerst umzogen.
In Bezug auf die Perspektive der Proteste erklärte sie: „Auch nach der Weihnachtszeit ist mit uns zu rechnen! Diese Protestbewegung wird sich nicht mit einer kleinen Befriedungs-Bescherung abwickeln lassen!“.
Nach dem Umzug wurde eine Bildungsblockade eingerissen. Bei dieser symbolischen Aktion vor dem Eingangsbereich der ASH, rannten diverse Studierende eine Wand aus Pappkartons und damit auch einige der im Rahmen des Bildungsstreiks 09 thematisierten Probleme ein. Dazu gehörten Credit-Points, Anwesenheitsplicht, Regelstudienzeit…

Die Protestierenden unterstützen die Einschätzung, wonach sich eine Verbesserung der Lage im Zuge des Zuständigkeits- und Kompetenzgerangels zwischen Bundes-, Länder- und Hochschul-Ebenen ergäbe, je schneller Lernenden, Lehrenden und dem Rest der Hochschuleinrichtungen die nötigen Handlungsfreiräume zur Verfügung stehen, die gemeinsamen Forderungen umzusetzen.
Die während der gestrigen Kultusminister-Konferenz in Bonn geplanten Zugeständnisse, welche wesentlich durch die bundesweiten studentischen Proteste provoziert wurden, könnten sich ebenso wie viele der bisherigen Solidarisierungsbekundungen als Mogelpackung herausstellen. Auf diverse Vorhaben hat die KMK tatsächlich wenig Einfluss. Nötig erscheint zumindest eine Strukturreform, welche die Kompetenzen zwischen Hochschulen, Akkreditierungsagenturen und Politik neu ordnet.